Energiewende: Energiebürger sehen Nachbesserungsbedarf

| Energiepolitik


DSC zur aktuellen Umfrage der Verbraucherzentrale
•DSC sieht Energiebürger als Hauptakteure der Energiewende
•DSC fordert mehr Unterstützung für die „Bürgerenergie Solarstrom“


Die Verbraucherzentrale Bundesverband (vzbv) hat eine repräsentative Studie vom Meinungsforschungsinstitut forsa durchführen lassen und am 12.8.2013 veröffentlicht. Befragt wurden im Zeitraum vom 10. bis 20. Juni 1.227 Personen, davon 270 Personen, die eine Photovoltaik-Anlage besitzen oder die Anschaffung einer solchen Anlage planen. Der DSC hat sich in der Studie insbesondere die Ergebnisse der PV-Betreiber genauer angesehen und fasst diese zusammen:

  • Mit der Thematik der Energiewende haben sich die PV-Anlagenbesitzer überdurchschnittlich häufig beschäftigt (47 %).
  • 87 % der Anlagenbesitzer finden das Ziel der Energiewende völlig richtig oder richtig.
  • In Bezug auf die Art und Weise der Durchsetzung der Energiewende in Deutschland sind sie hin- und her gerissen: 46 % finden diese völlig richtig oder richtig, 49 % bewerten sie kritisch.
  • Bei den Besitzern und Planern von PV-Anlagen findet eine absolute Mehrheit das Tempo der Energiewende zu langsam (58 %).
  • PV-Anlagenbesitzer sehen bei der Energiewende deutlich mehr Vorteile als Nachteile (79 %). Die Aspekte Nachhaltigkeit, Unabhängigkeit, Vorreiterrolle und Sicherheit sind die relevantesten Vorteile.
  • Bei den wahrgenommenen Nachteilen der Energiewende dominiert spontan das Thema Preissteigerung (52 %).
  • Eine Mehrheit der Bürger sieht sich langfristig als Gewinner der Energiewende, 58 % der PV-Anlagenbesitzer bewerten schon jetzt die aktuellen Vorteile für sich selbst positiv, für die langfristige Perspektive sind es sogar 78 %.
  • Die Mehrheit spricht sich für einen Fokus auf dezentralen Ausbau aus.
  • Eine Mehrheit ist spontan grundsätzlich gegen Ausnahmen oder Befreiungen für Unternehmen.

Wer sind wirklich die einflussreichsten Akteure?
Ein typisches und leider wiederkehrendes Ergebnis bei Umfragen ist die geäußerte Einschätzung, nur „die Anderen“ könnten und müssten etwas tun. Die Verantwortung für das Handeln wird damit auf andere übertragen. In der vzbv-Studie zeigt sich dieser Effekt in dem Ergebnis, dass die Befragten sich selbst (34 Prozent) oder Verbraucherverbänden (35 Prozent) nur einen geringen Einfluss auf das Gelingen der Energiewende zugestehen. Die aus der Sicht der Befragten einflussreichsten Akteure sind Wirtschaft und Industrie (87 Prozent), die Energieversorger (86 Prozent) und die Politik (86 Prozent).

Aus Sicht dieser drei Akteure, und insbesondere die der Energieversorger, ist das ein sehr gutes Ergebnis: So lange die Bürgerinnen und Bürger ihre eigenen Handlungsmöglichkeiten nämlich nicht erkennen oder ihnen nur geringe Erfolgschancen oder Einfluss beimessen, handeln sie nicht. Sie warten ab und werden in ihrer passiven Rolle gefestigt.

Die Verbraucherzentrale folgert aus den zitierten Ergebnissen, dass die Politik in der Pflicht stehe, die Verbraucherinteressen stärker zu berücksichtigen und bietet ihre Beratung und Unterstützung an. Aus Sicht des DSC ist diese Forderung an sich nicht falsch. Es darf aber nicht dabei bleiben, nur den Akteur Politik zu aktivieren. Das würde die oben skizzierte scheinbare Handlungsunfähigkeit der Bürgerinnen und Bürger und eine Verantwortungsdiffusion weiter unterstützen. Es besteht damit weiterhin die Gefahr, dass damit der jetzige Stillstand der Energiewende befördert wird – erst Recht in Zeiten des Wahlkampfes und den dann anschließenden Koalitionsverhandlungen.

Solarbetreiber sind aktive Energiebürger – nicht nur „Konsumenten“
Aus Sicht des Deutschen Solarbetreiber-Clubs muss niemand in der passiven Rolle des "Verbrauchers" bleiben. Jeder Bürger kann durch eigenes Handeln die Energiewende sinnvoll vorantreiben:

  • Den eigenen Energie- und Stromverbrauch kennen, Stromfresser identifizieren, den Verbrauch senken und Energiekosten sparen.
  • Wo immer möglich, eigene, Strom erzeugende Anlagen betreiben. In der Regel ist der Betrieb einer PV-Anlage die einfachste Variante.
  • Den selbst produzierten Strom vorrangig selbst nutzen.
  • Die zusätzlich nötigte Energie aus erneuerbaren Energiequellen beziehen – zum Beispiel bei einem echten Ökostromanbieter.

Energiebürger bringen die Energiewende aktiv voran und nutzen der Gesellschaft!
Energiebürger sind „Prosumenten“, also gleichzeitig Produzenten und Konsumenten – in diesem Fall die Erzeuger und Nutzer des solaren Stroms. Diese doppelte Rolle nimmt der vzbv aber grundlos zum Anlass, den Strom-Eigenverbrauch anzuprangern. Er kommentiert den Aspekt der Sorge vor der Preissteigerung mit der folgenden Einschätzung: „Die ungleiche Kostenverteilung wird dadurch verstärkt, dass immer mehr Betreiber von Solaranlagen den Strom, den sie selbst erzeugen, auch selbst verbrauchen – und sich der Zahlung der Netzentgelte entziehen. Der vzbv begrüßt zwar die Zunahme der Eigenerzeugung als einen zentralen Treiber der Energiewende. Damit die Kostenverteilung innerhalb der Gesellschaft aber nicht in eine Schieflage gerät, muss das System der Netzentgelte reformiert und auf leistungsbezogene Tarife umgestellt werden. Die Umfrage bestätigt das: 45 Prozent der Verbraucher sehen die Gefahr, dass die Energiewende die sozialen Gegensätze zwischen arm und reich verstärkt“, so der vzbv.

Hier liegt aus Sicht des DSC der Irrtum in der Gerechtigkeitsdiskussion der Energiewende. In dieser Studie kommt das Ergebnis einer gezielten Fehlinformation deutlich zum Vorschein. Es ist Fakt, dass vom derzeitigen Eigenverbrauch in Höhe von 52,3 Terrawattstunden in 2011 ganze 0,2 Terrawattstunden von PV-Anlagen kamen. Der Rest kommt aus der Industrie, Handel und den Stromerzeugern selbst. Es wird also ganz offensichtlich eine Scheindebatte geführt, um die Betreiber von Solaranlagen zu skandalisieren. Selbst bei starkem Zuwachs in der Prognose 2017 steigt der Eigenverbrauch durch Solaranlagenbetreiber auf knapp 7 Terrawattstunden oder gerade mal 1,3 Prozent des Nettostrombedarfs (Prognos).

Der DSC begrüßt es ausdrücklich, dass Stromerzeuger die Energie vorrangig auch selbst verbrauchen. Der Eigenverbrauch kann die Netze entlasten und Ausbaukosten sparen. Die Kritik des vzbv, dass sich Bürger durch Nutzung selbst produzierten Stroms der Zahlung der Netzentgelte entzögen und damit der Gemeinschaft schaden, ist aber nicht haltbar. Mit der gleichen Argumentation müsste man Stromsparen als gesellschaftsschädlich betrachten. Gerade die Verbraucherverbände haben doch immer gefordert, Stromsparer nicht durch überhöhte Grundtarife und Wenigverbraucher durch hohe Strompreise zu bestrafen. Genau das wird jetzt für die Solarstrom-Selbstversorger gefordert.

Dabei wird die Relevanz der PV-Eigenverbrauch-Anlagen völlig verzerrt und irreführend dargestellt. Dazu meint Erhard Renz: „Wer die Energiewende für die Bürgerinnen und Bürger will, darf nicht die falschen Akteure kritisieren. Es ist aus Sicht des DSC nicht hinzunehmen, die Bürger zu skandalisieren, die mit Eigeninitiative die Energiewende vorantreiben und eine klimafreundliche Energieversorgung aufbauen. Vom vzbv erwarten wir mehr Unterstützung für die Bürgerenergie Solarstrom und die Solarbetreiber. Solare Energiebürger nutzen der Gesellschaft und dem Klima, sie sind nicht die Preistreiber.“ (NM)


Quellen:
vzbv: Die Studie kann auf der Seite der Verbraucherzentrale heruntergeladen werden: http://www.vzbv.de/12095.htm. Das Zitat steht im vorletzten Abschnitt des Textes auf der Seite unter der Überschrift „Kosten der Energiewende gerechter verteilen“.

Prognos AG, Nov. 2012: Letztverbrauch bis 2017, Zahlen der Übertragungsnetzbetreiber, Abb. 10;
http://www.eeg-kwk.net/de/file/Letztverbrauch_2017_121113_fuer_UeNB_Veroeffentlichung.pdf

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