Solare Eigenverbrauchsanlagen - Die Revolution der Energieversorgung

| Energiepolitik

Beitrag von Prof. Dr. Volker Quaschning

Photovoltaische Eigenverbrauchsanlagen werden für Haushalte und Gewerbe wirtschaftlich immer attraktiver. Sie können der Energiewende eine neue Dynamik verleihen und damit den Anstieg der Treibhausgasemissionen bremsen. Durch die Integration von Batterien lässt sich der mögliche Photovoltaikanteil weiter steigern und die Netze entlasten.

Um die Folgen des Klimawandels in vertretbaren Grenzen zu halten, sollte die Kohlendioxidkonzentration in der Atmosphäre 450 ppm nicht überschreiten. Dafür müsste unsere Energieversorgung noch vor 2050 fast vollständig auf erneuerbaren Energien basieren. Internationale Klimaschutzvereinbarungen waren bislang wenig erfolgreich. Auch in Deutschland steigen unter anderem durch den Ausbau der Kohlenutzung die Treibhausgasemissionen wieder an. Die nationale und internationale Politik scheinen derzeit nicht in der Lage zu sein, den Ausbau erneuerbarer Energien so voranzutreiben, sodass wir die Lebensgrundlagen für nachfolgende Generationen erhalten können.

Photovoltaik – Motor für die Energiewende
Gerade die lange Zeit als viel zu teuer verschriene Photovoltaik ist dabei, neue Dynamik beim Ausbau erneuerbarer Energien zu erzeugen. Bereits heute können Haushalte und Gewerbe auf dem eigenen Dach Solarstrom günstiger produzieren als der Strombezug aus dem Netz kostet. Mit steigenden Strompreisen und weiter fallenden Preisen für PV-Systeme  werden diese für die Eigenversorgung immer attraktiver. Nach Untersuchungen der HTW Berlin liegt deren Potenzial allein bei Einfamilienhäusern bei 90 GW, im gesamten Gebäudebereich sogar bei über 200 GW. Es ist damit über sechsmal so hoch wie die bisher installierte PV-Leistung in Deutschland. Damit kann die PV einen Anteil von 20 bis 30 % an der Stromversorgung erreichen, der für einen erfolgreichen Klimaschutz auch dringend benötigt wird.

Chancen dezentraler Speicher
Bereits bei einer Verdopplung der installierten PV-Leistung auf 70 GW könnte die Photovoltaik an einzelnen Stunden im Jahr den deutschen Strombedarf nahezu vollständig decken. Spätestens bei noch größeren Leistungen werden Speicher erforderlich, um Überschüsse vom Tag in der Nacht nutzen zu können. Der Aufbau großer zentraler Speicher kann vermutlich nicht im nötigen Tempo für einen weiterhin schnellen Solarausbau erfolgen. Dezentrale Batteriespeicher bieten hierfür eine Alternative. Mit zunehmenden Kostenvorteilen für Eigenverbrauchssysteme und sinkenden Preisen für Batteriesysteme wird die Kombination von Batterien mit PV-Systemen für Eigenverbrauchssysteme immer attraktiver. Dadurch werden in absehbarer Zeit auch größere Anlagen konkurrenzfähig. Damit ließe sich dann das Potenzial von 200 GW auch ohne Förderung erschließen.

Prof. Dr. Volker Quaschning, Hochschule für Technik und Wirtschaft HTW Berlin
www.volker-quaschning.de

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