Solarstrom als Friedensquelle

| Energiepolitik

Prof. Stefan Krauter bei seinem Vortrag vor dem Nationalen Institut für Energie und Materialforschung in Teheran. Foto: Stefan Krauter

Während die deutsche Energiepolitik in den letzten Jahren kaum etwas dringenderes zu tun hatte als den Photovoltaikausbau zu bremsen, boomt Solarstrom international wie nie zuvor. Weltweit ermöglicht die inzwischen preiswerte Photovoltaik Stromversorgung überall dort, wo bisher umweltschädliche Dieselgeneratoren eingesetzt wurden oder eine Stromversorgung schlicht zu teuer war. So gesehen, wird sich das deutsche EEG womöglich als eines der wirkungsvollsten Programme zur wirtschaftlichen Entwicklung weltweit erweisen.

Der deutsche Photovoltaikexperte Stefan Krauter rückt jetzt den außenpolitischen Aspekt der Solarenergie ins Blickfeld. Bei einem Besuch in Teheran schlug er einem iranischen Regierungsvertreter vor, Solarstromanlagen zu bauen statt der geplanten Atomkraftwerke. Krauter, der als Professor für Nachhaltige Energiekonzepte an der Universität Paderborn lehrt und Gründer und Vorstandsmitglied des Berliner Photovoltaik-Instituts ist, schlug seinem Gesprächspartner Yousof Armoudli vor, die aktuelle Einspeisevergütung von umgerechnet 11 Eurocent pro Kilowattstunde von nur fünf auf 20 Jahre zu verlängern. Die Kosten könne die iranische Regierung durch wegfallende Subventionen für fossile Energiequellen decken.

„Eine längere Einspeisevergütung macht die Photovoltaik für Investoren interessant und bietet dem Iran die Möglichkeit, einen gigantischen Photovoltaikmarkt aufzubauen“, erklärt Krauter. Außerdem könne das Land mit dem Ausbau erneuerbarer Energien das umstrittene Atomprogramm einstellen und dazu beitragen, dass die lähmenden Sanktionen aufgehoben werden. Ein weiterer Pluspunkt: Weil die Stromgestehungskosten im Iran derzeit bei umgerechnet 19 Eurocent pro Kilowattstunde liegen, könnte die Volkswirtschaft durch eine Energieversorgung mit Photovoltaik viel Geld sparen.

Optimale Bedingungen für erneuerbare Energien

Der Iran produziert Strom bisher zu 94 Prozent aus fossilen Quellen, die von der Regierung jedes Jahr mit rund 13 Milliarden Euro subventioniert werden. Dabei bietet die im Vergleich zu Deutschland fast doppelt so hohe Sonneneinstrahlung, das konstante Windaufkommen und die vorhandenen gut regelbaren Gaskraftwerke nach Einschätzung von Krauter optimale Bedingungen für den Ausbau und die Integration erneuerbarer Energien. „Fünf solare Kraftwerke mit Leistungen von jeweils 23 Gigawatt würden rechnerisch ausreichen, um den Bedarf des gesamten Landes mit Photovoltaik zu decken“, sagt Krauter. Um den bestehenden und die drei geplanten Atommeiler durch Photovoltaik zu ersetzen, ist nach Krauter Berechnungen ein Zubau von lediglich 13,4 Gigawatt erforderlich. Zum Vergleich: In den Boomjahren war diese Leistung in Deutschland in nur zwei Jahren installiert worden.

Schon im Jahr 2012 hatte der deutsche Bundestagsabgeordnete und EEG-Gesetzesautor Hans-Josef Fell ein Solarprogramm für den Iran vorgeschlagen: „Die Erneuerbaren Energien sind die verbindenden Friedenstechnologien. Atomenergie spaltet hingegen und bringt unnötige Risiken in die Weltgemeinschaft.“

Autor: Thomas Seltmann (mit Material von Stefan Krauter / Agentur Krampitz)

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