Erheiternde Kostenkalkulationen für EEG Allergiker

| Panorama

Man stelle sich vor, der Verkauf schwerer Dienstwagen wäre im Jahr 2013 um die Hälfte zurückgegangen. Die Politik hätte nämlich die Abschreibungen für große Autos gestrichen und auf wenige kleine, CO2-freundliche Wagen beschränkt. Die deutschen Autobauer-, händler und Werkstätten hätten Millionenumsätze verloren. Man stelle sich vor, die Politik würde dies bejubeln. Dadurch hätte sich nämlich der überhitze Markt wie gewünscht abgekühlt. Potentielle Arbeitsplatzverluste würden in Kauf genommen, wegen der positiven Umwelteffekte. Autoindustrie und ADAC hätten vollstes Verständnis dafür.

„Ist der gaga?“ fragen Sie zurecht. Natürlich ist ein solches Szenario absurd. Ich vermute bei einer Halbierung des Dienstwagenverkaufs würde die Bundeskanzlerin den nationalen Notstand ausrufen, erscheinen doch die Umsatzzahlen der Autobauer als einzig wahrer Wohlstands- und Glücksindikator. Nicht so die Umsätze der Solarbranche und die Installationszahlen von Photovoltaik-Anlagen. Diese halbierten sich im Jahr 2013 tatsächlich im Vergleich zum Vorjahr und die Regierung freut sich königlich. Warum eigentlich? Wegen der Insolvenzen und Umsatzrückgänge bei Installationsbetrieben? Wohl kaum, aber die Politik meint, damit den Anstieg der EEG Umlage gebremst zu haben und damit die Kosten des Zubaus Erneuerbarer Energien. Dabei steigt die Umlage trotzdem, weil die Strom im Börsenhandel immer billiger wird.

Nun habe ich in der Vergangenheit in geradezu nervtötender Regelmässigkeit darauf hingewiesen, dass die EEG-Umlage keineswegs die Förderkosten für Erneuerbare Energien ausweist.  Erst die Summe aus Börsenstrompreis und EEG-Umlage ist ein brauchbarer Indikator für die Strompreisentwicklung. Deshalb ist es um so merkwürdiger, dass in letzter Zeit sogar ein gesunkener Börsenstrompreis von Teilen der Presse als Desaster und weiterer Indikator einer total vermurksten Energiewende herhalten muss. Das erklärt sich nur aus der pathologischen Fixiertheit auf die EEG-Umlage. Und die steigt eben, wenn die Börsenpreise fallen.

Neuerdings berichtet das Öko-Institut von einer Wende: Durch die Kombination aus fallenden Strompreisen an der Börse und trotz steigender EEG-Umlage werden für das Jahr 2014 sogar geringere Stromversorgungskosten erwartet als 2013. Das klingt nicht nur erfreulich, sondern spricht für die segensreiche Wirkung des Erneuerbaren-Ausbaus und für die Kosteneffizienz des EEG und der Photovoltaik.

In der FAZ, der Apothekenumschau der EEG-Allergiker ist solches noch nicht zu lesen. Mit dem Artikel „Ökostrom kostet jeden Deutschen 240 Euro im Jahr“ (faz.net, 9.1.2014) schießen die Kollegen den Vogel ab:

Sämtliche gezahlte EEG Vergütungen, ob von Gewerbe-, Industrie- oder Privatkunden, werden auf Privatpersonen umgerechnet. Ökohorror! Sind Stromkunden in Deutschland mit ausländischem Pass womöglich befreit? Als nächstes fordert Seehofer die Ökostrommaut für Ausländer...

Autoren: Martin Unfried, Thomas Seltmann - siehe auch www.oekosex.eu

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